Notizentechnik für Dolmetscher

Die Notizentechnik für Dolmetscher ist ein zentrales Werkzeug des konsekutiven Dolmetschens. Beim konsekutiven Dolmetschen müssen Dolmetscherinnen und Dolmetscher oft mehrere Minuten Redezeit erfassen, strukturieren und anschließend präzise in eine andere Sprache übertragen. Dabei reicht das Kurzzeitgedächtnis allein in der Regel nicht aus. Notizen sind deshalb ein zentrales Werkzeug des konsekutiven Dolmetschens.

Die Notizentechnik für Dolmetscher ist jedoch keine gewöhnliche Mitschrift. Ziel ist nicht, möglichst viele Wörter festzuhalten, sondern die Struktur einer Rede sichtbar zu machen und zentrale Inhalte so zu notieren, dass sie beim Dolmetschen zuverlässig aktiviert werden können.

Auf dieser Seite erfahren Sie

  • wie Notizentechnik beim Dolmetschen funktioniert
  • welche Grundprinzipien dahinterstehen
  • wie man diese Technik systematisch trainieren kann

Was ist Notizentechnik beim Dolmetschen?

Notizentechnik bezeichnet die spezielle Form der Notation, die Dolmetscher beim konsekutiven Dolmetschen verwenden. Anders als bei einer klassischen Mitschrift geht es dabei nicht darum, möglichst viele Inhalte wörtlich festzuhalten.

Dolmetschnotizen dienen vielmehr als Gedächtnisstütze. Sie helfen dabei, die Struktur einer Rede zu erfassen und zentrale Informationen beim anschließenden Dolmetschen wieder abzurufen.

Typische Merkmale der Notizentechnik sind:

• starke Reduktion des sprachlichen Materials
• Verwendung von Symbolen und Abkürzungen
• Darstellung von logischen Beziehungen
• klare visuelle Struktur der Notizen

Die Notizen stehen also nicht für sich selbst. Sie entfalten ihren Nutzen erst in Verbindung mit dem Gedächtnis und dem Verständnis der gehörten Rede.

Beispiel einer Notizseite

Warum Notizen beim Dolmetschen notwendig sind

Viele Reden im konsekutiven Dolmetschen dauern mehrere Minuten. In dieser Zeit müssen Inhalte nicht nur verstanden, sondern auch strukturiert und gespeichert werden.

Notizen erfüllen dabei mehrere Funktionen.

Grenzen des Kurzzeitgedächtnisses

Das menschliche Kurzzeitgedächtnis kann nur eine begrenzte Menge an Informationen gleichzeitig speichern. Je komplexer eine Rede ist, desto schneller wird diese Grenze erreicht.

Notizen entlasten das Gedächtnis, indem sie zentrale Inhalte sichtbar machen und so das Wiederabrufen erleichtern.

Struktur komplexer Reden erfassen

Viele Reden enthalten Argumentationsketten, Beispiele, Zahlen oder Vergleiche. Ohne visuelle Struktur ist es schwierig, diese Zusammenhänge beim Dolmetschen korrekt wiederzugeben.

Die Notizentechnik ermöglicht es, die Struktur einer Rede grafisch darzustellen.

Entlastung der kognitiven Verarbeitung

Beim Dolmetschen laufen mehrere Prozesse gleichzeitig ab: Zuhören, Verstehen, Analysieren und später Produzieren der Zielrede.

Gut strukturierte Notizen reduzieren die kognitive Belastung und helfen, den Überblick über die Rede zu


notizentechnik dolmetschen beispiel

Die Grundprinzipien der Notizentechnik

Die Notizentechnik für Dolmetscher basiert auf einigen grundlegenden Prinzipien, die in verschiedenen Schulen und Lehrtraditionen ähnlich vermittelt werden.

Vertikale Struktur

Dolmetschnotizen folgen in der Regel einer vertikalen Struktur. Die Rede wird nicht in langen Zeilen festgehalten, sondern in kurzen Einheiten untereinander notiert.

Diese Struktur macht Beziehungen zwischen Aussagen sichtbar und erleichtert das Wiederfinden von Argumentationsschritten.

Symbole und Abkürzungen

Ein zentrales Element der Notizentechnik sind Symbole. Sie ermöglichen es, komplexe Begriffe oder häufig vorkommende Konzepte mit wenigen Strichen darzustellen.

Auch Abkürzungen werden häufig verwendet, um die Geschwindigkeit des Notierens zu erhöhen.

Dabei entwickelt jede Dolmetscherin und jeder Dolmetscher im Laufe der Zeit ein individuelles System.

Logische Verbindungen

Reden enthalten häufig Beziehungen wie Ursache und Wirkung, Gegensatz oder Folge. Diese Beziehungen werden in der Notizentechnik oft durch Pfeile, Linien oder spezielle Zeichen dargestellt.

Dadurch wird die Argumentationsstruktur der Rede sichtbar.

Reduktion auf Kernaussagen

Eine der wichtigsten Fähigkeiten beim Dolmetschen ist die Reduktion auf das Wesentliche. Notiert werden in der Regel nur zentrale Begriffe, Schlüsselideen oder strukturierende Elemente.

Die Notizen dienen nicht dazu, die Rede vollständig zu reproduzieren, sondern sie beim Dolmetschen zu rekonstruieren.


Wie Dolmetscher Notizentechnik lernen

Notizentechnik ist eine Fähigkeit, die systematisch trainiert werden kann. In Dolmetschausbildungen wird sie meist über einen längeren Zeitraum aufgebaut und durch praktische Übungen vertieft.

Auch außerhalb formaler Studiengänge gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese Technik zu erlernen und weiterzuentwickeln.

Viele Dolmetscher nutzen beispielsweise

Solche Trainingsangebote ermöglichen es, die grundlegenden Prinzipien der Notizentechnik Schritt für Schritt zu verstehen und in praktischen Übungen anzuwenden.

Fachbuch die Notizentechnik für Dolmetscherinnen und Dolmetscher von Verena Laouari

Typische Fehler beim Lernen der Notizentechnik

Beim Einstieg in die Notizentechnik treten häufig ähnliche Schwierigkeiten auf. Diese sind zum Teil ein normaler Teil des Lernprozesses, zum Teil aber auch Ausdruck von grundlegenden Defiziten in der erlernten Technik.

Zu den häufigsten Fehlern gehören:

  • Zu viele Wörter notieren: Viele Anfänger versuchen, möglichst viel vom Wortlaut der Rede festzuhalten. Dadurch verlieren die Notizen ihre Struktur.
  • Fehlende Analyse der Rede: Ohne Analyse der inhaltlichen Struktur wird die Notiz schnell zu einer unübersichtlichen Sammlung einzelner Wörter.
  • Symbole als Grundlage: Wird ein großes Symbolsystem als Voraussetzung verstanden, leiden die wichtigen, vorgelagerten Denkprozesse (Analyse, Filtern usw.)
  • Unklare Struktur: Wenn Notizen ohne klare Anordnung entstehen, wird das Erkennen der Inhalte beim Dolmetschen schwierig.

Ein systematisches Training hilft, diese typischen Probleme schrittweise zu überwinden.


Training der Notizentechnik

Das Training der Notizentechnik besteht in der Regel aus mehreren Komponenten.

Der erste Schritt sind die der Notation vorangehenden Prozesse (Analyse, Filtern, Vereinfachen etc.).

Darauf folgt das eigentliche Notieren während des Zuhörens. In späteren Trainingsphasen wird anschließend das Dolmetschen auf Grundlage der eigenen Notizen geübt.

Viele Dolmetscher arbeiten dabei mit Übungsreden, um unterschiedliche Themen, Sprechgeschwindigkeiten und Strukturen zu trainieren.

Regelmäßiges Training ist entscheidend, da sich Notizentechnik vor allem durch praktische Anwendung entwickelt.

Beispiele für Notizentechnik beim Dolmetschen

Wie Dolmetschnotizen in der Praxis aussehen, lässt sich am besten anhand konkreter Beispiele verstehen. Notizen bestehen in der Regel aus einer Kombination aus Schlüsselbegriffen, Symbolen und strukturellen Elementen wie Pfeilen oder Einrückungen.

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Wörter festzuhalten, sondern die Struktur der Rede sichtbar zu machen. Die Notizen dienen als Gedächtnisstütze und helfen, Argumentationsketten, Beispiele oder Zahlen beim Dolmetschen zuverlässig wiederzugeben.

Konkrete Beispiele für Dolmetschnotizen und ihre Analyse finden Sie auf der Seite Beispiele der Notizentechnik für Dolmetscher.


Häufige Fragen zur Notizentechnik für Dolmetscher

Wie lange dauert es, Notizentechnik zu lernen?

Die grundlegenden Prinzipien lassen sich relativ schnell verstehen. Die sichere Anwendung in realen Dolmetschsituationen entwickelt sich jedoch meist über einen längeren Zeitraum durch kontinuierliches Training.

Zuletzt aktualisiert am 05.03.2026 von Verena Laouari.

Braucht man Notizen beim Simultandolmetschen?

Beim Simultandolmetschen werden in der Regel deutlich weniger Notizen verwendet, da Zuhören und Sprechen gleichzeitig stattfinden. Notizen können jedoch in bestimmten Situationen hilfreich sein, etwa bei Zahlen oder Namen.

Zuletzt aktualisiert am 05.03.2026 von Verena Laouari.

Welche Symbole werden in der Notizentechnik verwendet?

Viele Dolmetscher verwenden Symbole für häufige Konzepte wie Entwicklung, Veränderung, Ursache oder Gegensatz. Ein Teil dieser Symbole ist relativ verbreitet, ein anderer Teil entsteht individuell im Laufe der Praxis.

Zuletzt aktualisiert am 05.03.2026 von Verena Laouari.

Kann jeder Dolmetscher Notizentechnik lernen?

Notizentechnik ist keine angeborene Fähigkeit, sondern eine trainierbare Methode. Mit systematischem Training können Dolmetscher ein funktionierendes persönliches Notationssystem entwickeln.

Zuletzt aktualisiert am 05.03.2026 von Verena Laouari.

Wo finde ich Symbole für die Notizentechnik beim Dolmetschen?

Ein aktuelles Repertoire an praxisnahen Grundsymbolen finden Sie im Fachbuch Notizentechnik für Dolmetscherinnen und Dolmetscher von Verena Laouari (BDÜ Fachverlag).

Zuletzt aktualisiert am 05.03.2026 von Verena Laouari.

Über die Autorin

Verena Laouari ist Konferenzdolmetscherin (Abschluss der Diplom-Dolmetscherin, Universität Heidelberg) und öffentlich bestellte und allgemein beeidigte Übersetzerin für Spanisch, Italienisch und Deutsch. Sie arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Konferenzdolmetschen und beschäftigt sich intensiv mit der Didaktik der Notizentechnik im konsekutiven Dolmetschen.

Neben ihrer praktischen Tätigkeit entwickelt sie Trainingsmaterialien zur Notizentechnik und bietet Seminare, Videokurse und individuelles Coaching für Dolmetscherinnen und Dolmetscher an.

Ihr Fachbuch Notizentechnik für Dolmetscherinnen und Dolmetscher erscheint im BDÜ Fachverlag.

Autorin des Fachbuchs zur Notizentechnik Verena Laouari